BADISCHE ZEITUNG

09 I 2017

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Haus der Badischen Heimat

- Bald wieder Ochsenblutrot

FREIBURG

Ein sattes Rot, das soll das Haus der Badischen Heimat an der Hansjakobstraße bald zeigen. Die Fassade soll dem Ursprungszustand von 1926 möglichst nahe kommen, so wie sie damals der Architekt Carl Anton Meckel entworfen hatte. Derzeit lässt der Landesverein Badische Heimat das denkmalgeschützte Gebäude sanieren; seine Geschäftsstelle befindet sich seit 1926 im Haus.
Momentan sieht das altehrwürdige Gebäude nicht sehr eindrucksvoll aus, auch weil es in ein Baugerüst gehüllt ist. Doch als das Haus der Badischen Heimat 1926 fertiggestellt worden war, muss es den Freiburgern deutlich ins Auge gefallen sein. "Das Dach ist sehr steil und erinnert ans Spätmittelalter", erklärt Gerhard Kabierske, Architekt und Bauforscher aus Karlsruhe. Bereits dadurch habe es sich von den Wohngebäuden in der Umgebung abgehoben. Der barocke Schmuck, der besonders das Portal und die Pfeiler der beiden Tore rechts und links des Hauses ziert, ist aus Beton, einem um die Jahrhundertwende sehr modernen Baustoff.
Die hohen Fenster im Erdgeschoss, hinter denen sich seither die Geschäftsstelle des Vereins befindet, wurden mit geschmiedeten Eisengittern versehen. Im Obergeschoss sind die Fenster kleiner. Diese hatten ursprünglich Klappfensterläden aus Holz. Wenn sie geöffnet waren, entstand "ein horizontales Band aus Fenstern und Läden", so Kabierske: "Die 20er Jahre hatten einen Hang zur Horizontalen." Am auffälligsten aber dürfte die Farbe gewesen sein, in der das Haus 1926 gestrichen worden war: ein sattes Rot, das sogenannte Ochsenblutrot. Die Farbe muss dem Rot des Herderbaus (zwischen Hermann-Herder- und Tennenbacherstraße) und dem Rathausgebäude auf dem Rathausplatz geähnelt haben.
Vermutlich wegen zu billiger Farben war das Rot bereits nach fünf Jahren verblasst, und Architekt Meckel wollte 1931 einen Neuanstrich. Im Gegensatz zu Meckel waren die damaligen Vereinsvorsitzenden und das Stadtplanungsamt für eine unauffällige Farbe. Nach längerem Konflikt gab Meckel nach und die Parteien einigten sich darauf, dass das Haus nicht in Rot, sondern in einem hellen Grau neu angestrichen werden sollte. So blieb es die ganzen Jahre über.
Nun, nach mehr als 80 Jahren, wird das Haus wieder rot. Auch die klappbaren Fensterläden im Obergeschoss, die in den 70er-Jahren entfernt wurden, sollen nachgebaut werden. "Es sind silbergraue Fensterläden überliefert", so Kabierske. Die neuen Läden sollen auch wieder silbergrau werden, sagt Yvonne Faller, die Münsterbaumeisterin. Sie betont, dass es das oberste Prinzip bei der Sanierung sei, den denkmalgeschützten und qualitätsvollen Bestand des Gebäudes zu erhalten. Gleichzeitig sollen aber Energieverbrauch und Komfort an den aktuellen Standard angepasst werden.
Diana Wiedemann ist ausführende Architektin bei der Sanierung. Sie ist auf den Erhalt denkmalgeschützter Gebäude spezialisiert und weiß: "Ein Baudenkmal kann nur überleben, wenn es genutzt wird." Damit Klimaschutz und Denkmalschutz gelingen, so Wiedemann, müsse die Dämmung sorgsam auf die gut erhaltene Substanz des Hauses abgestimmt werden.Die Architekten wollen die Wärmedämmung verbessern, damit das Haus nachhaltig genutzt werden kann.
Laut dem Vorsitzenden des Landesvereins, Sven von Ungern-Sternberg, will der Verein etwa 400 000 Euro in das Haus investieren, dank der Irene-Kyncl-Stiftung und einiger Spender; es könnten und dürften auch 450 000 Euro werden. Demnächst soll das Haus der Badischen Heimat dann behutsam gedämmt, in sattem Rot und mit silbergrauen Klappfensterläden fertig saniert sein – und wieder deutlich auffallen.

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Autor: Christian Henke, bz

 

Badische Zeitung vom 15.09.2017

IRENE KYNCL STIFTUNG  I  Stiftung bürgerlichen Rechts

 

 

Bild Hintergrund: Freiburger Münsterbauverein, e.V.